Im Hintergrund Schultische mit Schüler:innen; eine Ebene darüber Text einer Programmierung, auf oberster Ebene Icons, die durch Linien verbunden sind und Kommunikationssituationen abbilden

Bildung vs. Algorithmus

Rückblick auf die Veranstaltung von „Bildung4Future“ im Alten Gericht in Wiesbaden

Bildung vs. Algorithmus – Schule als Fundament unserer Demokratie

Am 3. Juni 2026 war das Alte Gericht in Wiesbaden Schauplatz einer lebhaften Debatte: Unter dem Titel „Bildung vs. Algorithmus – Schule als Fundament unserer Demokratie“ diskutierten Experten und Expertinnen aus Bildungspolitik und -praxis, wie Schule in Zeiten von KI und algorithmischer Meinungsbildung ihrer demokratischen Verantwortung gerecht werden kann.

Die Veranstaltung war geprägt von einer lebendigen und kontroversen Diskussion, denn alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten sich einbringen. Mit ihren Fragen, eigenen Erfahrungen, kontroversen Ansichten sorgten sie für einen engagierten und lebendigen Austausch, von dem alle profitieren konnten. Und beim anschließenden Get-together blieb viel Raum für neue Kontakte und vertiefende Gespräche. Das alles bei gutem Essen und Getränken in der besonderen Atmosphäre des ehemaligen Schwurgerichtssaals des Alten Gerichts, in dem heute der Heimathafen zu Hause ist: ein inspirierender Hub für gutes Leben und Arbeiten in Wiesbaden.

Darüber wurde gesprochen: 

Dr. Tobias Piniek (Gymnasium Mosbacher Berg) eröffnete das Dialogformat mit einer Keynote, die den Rahmen bildete: KI verändert die Werkzeuge, der Bildungsauftrag bleibt derselbe. Fünf Krisen – von der Prüfungs- über die Kompetenz- bis zur Demokratiekrise – beschreiben, wo Schule heute steht: Nicht trotz KI, sondern wegen KI werden Lehrkräfte wichtiger. Die entscheidende Zukunftsfrage ist, dass Schülerinnen und Schüler lernen, die neue Technologie und ihre Tools kritisch zu nutzen, denn eine funktionierende Demokratie braucht urteilsfähige Menschen. 

In ähnlicher Weise plädierte Dr. Julia Freudenberg (Hacker School) dafür, dass die gesamte KI-Thematik kein Tec-, sondern ein Socialthema sei. Die zentrale Kompetenz, die es in Schule zu vermitteln gilt, ist die Lesekompetenz. Denn KI produziert Text ohne Ende und für einen kompetenten Umgang mit allem, was im Bereich der Digitalisierung noch kommt, müssen Kinder und junge Menschen in erster Linie denken lernen. 

Anja Tempelhoff (Berliner Senatsverwaltung) ergänzte mit Impulsen zu einer digitalen Lernkultur und souveräner IT-Architektur als Grundlage für demokratische Bildung. 

Antje Biniek (Amadeu Antonio Stiftung) setzte einen starken Kontrapunkt zu all den technischen Herausforderungen für Schule mit Blick auf ihre demokratische Verantwortung. Junge Menschen bräuchten vor allen Dingen demokratische Erfahrungen, die sie in Schule als Erlebnisort machen können. Algorithmen belohnten Eindeutigkeit. Demokratie lebt jedoch von Ambivalenz. In der Schule kann Vielfalt nicht weggescrollt werden.

Das sagen unsere Podiumsgäste …

Braucht es im KI-Zeitalter überhaupt noch die Lehrkraft?
„Das ist es, worum es geht: Die Urteilsfähigkeit, die kann KI den Schülerinnen und Schülern nicht beibringen. Das ist unsere Baustelle, die wir haben, und da sind wir Lehrkräfte nach wie vor die entscheidende Person, um die es geht. Demokratiekompetenz hängt eng damit zusammen. Erst wenn ich mir ein Urteil bilden kann, kann ich auch demokratisch angemessen partizipieren.“

Dr. Tobias Piniek – Gymnasiallehrer (Studiendirektor) Mosbacher Berg Wiesbaden

Kompetenter Umgang mit KI braucht die Kunst des Denkens
„Die Zukunftsfähigkeit wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sein, lesen zu können. Die KI produziert Text ohne Ende. Wir treten mit der Hacker School damit an, dass wir versuchen, Kinder für die Kunst des Denkens zu begeistern. Und zwar nicht auf dem Niveau von Platon und Sokrates, sondern eher im Sinne von Mach geilen Scheiß, guck dir die Welt an und verändere das.“

Dr. Julia Freudenberg – Leiterin der Hacker School Hamburg

Eine souveräne IT-Architektur ist Grundlage eines zeitgemäßen Unterrichts
„Das Berliner Schulportal soll sowohl Lehren, Lernen, aber auch die Zusammenarbeit und natürlich auch die Verwaltungsorganisation bündeln, damit die Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler perfekt damit im Unterricht arbeiten können. Wir kriegen Lehrkräfte nur dazu, mit der IT zu arbeiten, wenn sie funktioniert.“

Anja Tempelhoff – Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Abteilung „Schule in der digitalen Welt“

Junge Menschen brauchen demokratische Erfahrungen
„Schule vermittelt nicht nur Fachwissen wie Lesen, Schreiben, Rechnen, sondern Schule vermittelt dieses Wir gehen in den Dialog miteinander, wir tragen Konflikte aus, wir müssen Kompromisse finden und wir halten Widersprüche aus. Letztlich geht es darum, dass junge Menschen erleben müssen, dass ihre Stimme etwas verändern kann. Das erfahren sie durch Partizipation, die sie an einem Ort wie Schule erleben können.“

Antje Biniek – Leiterin von Projekten bei der Civic Research und Innovation gGmbH und der Amadeu Antonio Stiftung

Eine Veranstaltung in der Reihe Bildung4Future der Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e.V. 
in Kooperation mit der Eduversum Verlags- und Bildungsagentur.

Logo: orangefarbener Balken mit Schrift "Bildung for Future"
In grau steht "eduversum", darunter orange "Verlag und Bildungsagentur"